Aufruf zur Demonstration am Samstag, 2. Februar 2013, 14:00 Uhr, Mössingen, Jakob-Stotz-Platz

Politischer Streik hätte Hitler gestürzt und den Krieg verhindert!

“Heraus zum Massenstreik!” Unter dieser Losung zogen am 31. Januar 1933 achthundert Demonstrantinnen und Demonstranten durch Mössingen. Soeben war die Macht im Staat an Hitler übertragen worden. Diesen Verbrecher zu stürzen, war ihr Ziel. Darum folgten sie dem Streikaufruf der damaligen Kommunistischen Partei, auch Männer und Frauen aus der Sozialdemokratie. Viele waren in der Gewerkschaft. So früh und so einhellig wie in Mössingen regte sich nirgendwo im Land der Protest gegen die Nazidiktatur.

Schon beim Kapp-Putsch 1920 hatten die Arbeiterinnen und Arbeiter erfolgreich mit einem Generalstreik die Republik gerettet, die den rechten Putschisten nicht passte. Wäre dieses Mittel des zivilen Ungehorsams 1933 überall von einer einheitlich handelnden Bewegung eingesetzt worden, so wie in Mössingen, wäre die deutsche Geschichte anders verlaufen. Der Welt wäre viel erspart geblieben.

Zum 80. Jahrestag wollen wir am 2. Februar 2013 an diese mutigen Mössingerinnen und Mössinger erinnern. Sie riskierten viel und wussten das. Über einhundert Menschen aus Mössingen, Nehren, Talheim, Belsen, Bodelshausen und anderen Nachbarorten standen danach vor Gericht – wegen “Hochverrat” und “Landfriedensbruch”. Ohne große Worte zeigten sie in jener Zeit mehr politische Weitsicht als viele andere. Sie praktizierten Solidarität und Verständnis füreinander. Sie ließen sich nicht gegeneinander ausspielen. An ihnen prallte auch die rassistische Hetze der Nazis ab. Und sie wussten: Hitler bedeutet Krieg!

Daran wollen wir anknüpfen. Unsere heutige Gesellschaft ist viel bunter als damals, und das ist gut so. Was wir nicht brauchen, sind Neonazis und ihre Aufmärsche. Sie terrorisieren MigrantInnen und Flüchtlinge. Sie sehen sich bestärkt durch eine Politik, die behauptet, das Boot sei “voll” und Muslime gefährlich. Setzen wir also ein Zeichen gegen Ausgrenzung und Rassismus! Faschismus ist keine politische Meinung, sondern ein Verbrechen, das schon einmal die ganze Welt ins Elend gestürzt hat. Die NPD gehört also aufgelöst und verboten. Und es muss dabei bleiben, was nach 1945 galt: “Von deutschem Boden darf nie mehr Krieg ausgehen.”

 

“Heraus zum Massenstreik!”

“Illegal” wäre die damalige Aktion in Mössingen auch heute. Seit den 1950er Jahren gelten politische Streiks als rechtswidrig. Nur bei Tarifauseinandersetzungen und mit komplizierten Einschränkungen sind Streiks “erlaubt”. Andernfalls drohen riesige Schadenersatzforderungen der Unternehmer wegen “Produktionseinbußen” – oder anders ausgedrückt: wegen Einschränkung des Profits. Seit Einführung der „Hartz“-Gesetze ist die Arbeitswelt noch unsicherer geworden. Für befristet oder geringfügig Beschäftigte, LeiharbeiterInnen u.a. bedeutet selbst die Wahrnehmung dieser eingeschränkten Streikrechte ein existenzbedrohendes Risiko. Die alte gewerkschaftliche Forderung nach einer Demokratisierung der Wirtschaft ist aktueller denn je! Ökonomische Ängste der BürgerInnen befeuern den Hass auf Menschen, die in irgendeiner Weise von der Norm abweichen, die von PopulistInnen definiert wird.

Wer gegen diesen Hass oder auch für den Frieden auf die Straße geht – sogar am 1.Mai, um einen Nazi-Aufmarsch zu verhindern – riskiert, “eingekesselt” oder wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz belangt zu werden. Nicht nur die Gewerkschaftsbewegung – alle demokratischen Bewegungen brauchen das Versammlungs-, Demonstrations- und Streikrecht wie die Luft zum Atmen. Wie sonst sollen sie gegen die wirtschaftlich Mächtigen etwas durchsetzen? Mit den Einschränkungen, mit dem Abbau dieser Grundrechte muss Schluss sein.

Täglich neue Skandale belegen die undurchsichtige Verstrickung der Geheimdienste und Sicherheitsbehörden mit der Neonaziszene. Demokratische Transparenz zu schaffen, wäre das Mindeste. Das Geld für den nutzlosen “Verfassungsschutz” wäre in der Bildung viel besser aufgehoben.

Millionenfach wurde die Menschenwürde in den Jahren der Nazidiktatur mit Füßen getreten. Auch für die Würde jedes Menschen gingen die 800 Mössingerinnen und Mössinger am 31. Januar 1933 auf die Straße. Für sie gab es eine Alternative zu Hitler. Erinnern wir uns daran, wenn uns heute gesagt wird, es gebe keine Alternative zu den Zwängen einer globalen Marktwirtschaft.

 

Empört euch! Für ein uneingeschränktes Versammlungs- und Streikrecht!

Für eine Demokratisierung der Wirtschaft!

Nie wieder Faschismus und Krieg!

Auf nach Mössingen – am 2. Februar 2013!

Veranstalter:
DGB Kreisverband Reutlingen, DGB Arbeitskreis Tübingen, IG Metall Reutlingen-Tübingen, ver.di Bezirk Fils-Neckar-Alb, GEW Reutlingen/Tübingen, VVN – Bund der Antifaschisten Baden-Württemberg, VVN – Bund der Antifaschisten Tübingen-Mössingen

Unterstützer

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Veranstaltung mit Prof. Frank Deppe: 80 Jahre nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten

Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler von Reichspräsident Paul von Hindenburg als Reichskanzler
vereidigt und mit der Bildung einer Koalitionsregierung des „Nationalen Zusammenschlusses“ beauftragt.
Damit begann die Etablierung des verbrecherischen „Dritten Reiches“! Die Folgen waren:

* Zerstörung der Demokratie
* Rassendiskriminierung und Verfolgung
* Völkermord (Pogromnacht)
* Krieg, Verwüstung und Millionen Tote

Nie wieder darf sich solch eine menschenverachtende Terrorherrschaft wiederholen!!!

Deshalb laden wir zum Diskussionsabend ein:

Vor 80 Jahren –
Was geschah 1933 und was bedeutet dies für uns heute?

Diskussion mit Prof. Frank Deppe

Donnerstag, 31. Januar 2013, 20:00 Uhr
Im Franz.K in Reutlingen, Unter den Linden 23

Mit Professor Frank Deppe (Uni Marburg – Soziologe und Politikwissenschaftler) wollen wir die Mechanismen bei der Zerstörung der Demokratie in Erinnerung rufen und fragen, ob sich die Ereignisse wiederholen können.
Sind die Erstarkung der rechten Gruppen und Parteien in Europa (wie NSU in Deutschland und „Neue Morgenröte“ in Griechenland) schon Beispiele dafür? Welche Rolle spielten Gewerkschaften vor 80 Jahren (1. Mai 1933) und was können bzw. müssen wir heute leisten?

Gemeinsam gegen das Vergessen!

IG Metall Reutlingen-Tübingen
DGB Kreisverband Reutlingen
DGB Arbeitskreis Tübingen
ver.di Fils- Neckar-Alb

“Da ist nichts gewesen außer hier!”

Veranstaltung mit Bernd-Jürgen Warneken und Jürgen Jonas

Dienstag, 22. Januar 2013, 20 Uhr

Tübingen, Club Voltaire, Haagasse 26 b

In diesen Tagen jährt sich zum 80. Mal der Mössinger Generalstreik gegen die Machtübertragung an Hitler am 31. Januar 1933. Damals hatten sich Arbeiterinnen und Arbeiter der Textilindustriebetriebe der schwäbischen Kleinstadt unter Führung der KPD in der Antifaschistischen Aktion zusammengeschlossen und zum Massenstreik gegen die Übertragung der streik Macht an die Nazis aufgerufen. Leider blieb das entschlossene Vorgehen der organisierten Mössinger Arbeiterschaft einzigartig in Deutschland. Der Streik wurde durch eine aus der nahegelegenen Stadt Reutlingen beorderte Einheit der Bereitschaftspolizei niedergeschlagen und die “Rädelsführer” der Aktion am Folgetag verhaftet. Einige von ihnen verbrachten Jahre hinter Gittern.

Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!

VERANSTALTUNGSPROGRAMM:

– Zeitzeugenfilm: „Da ist nirgends nichts gewesen außer hier“ (BRD 1983)

– Bernd Jürgen Warneken (Kulturwissenschaftler, Berlin/Tübingen), Mitherausgeber des Buches „Da ist nirgends nichts gewesen außer hier“ spricht über die Mössinger Arbeiterbewegung und seine Arbeit über den Generalstreik.

– Jürgen Jonas (Journalist aus Nehren bei Mössingen). Wird über die Generalstreik-Teilnehmer aus Nehren und die Aktivitäten des kommunistischen Schriftstellers Friedrich Wolf in der Region sprechen.

– Beitrag der VVN-BdA zur Arbeiterbewegung in Tübingen

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